Erfassung schulischen Wohlbefindens in inklusiven Schulen ‒ Befunde zur Erprobung eines mehrdimensionalen Konstrukts in fünf Jahrgängen der Sekundarstufe I an der Laborschule Bielefeld

H. Kullmann, S. Geist, B. Lütje-Klose, in: 2015.

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Kullmann, HarryLibreCat ; Geist, Sabine; Lütje-Klose, Birgit
Abstract
*Theoretischer Hintergrund* Schulisches Wohlbefinden ist eine Grundbedingung gelingender Lernprozesse bei Kindern und Jugendlichen. Es bildet einen Teil der je individuellen, emotional-kognitiven Rahmung aller vom Schul- und Unterrichtsbesuch ausgehenden Bewältigungs- und Entwicklungsaufgaben. Die Ausprägung des Wohlbefindens beruht auf der Balance des Erlebens positiv konnotierter Emotionen und Kognitionen sowie des Fehlens von negativen Emotionen und Kognitionen. Gerade Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SFB) haben in inklusiven Settings durch den sozialen Vergleich mit mehrheitlich leistungsstärkeren Peers aufgrund von Bezugsgruppeneffekten besondere Herausforderungen zu bewältigen (z.B. Seaton et al. 2010). Das Erreichen eines hohen Wertes subjektiv wahrgenommenen Wohlbefindens der gesamten Lerngruppe ist ein Gradmesser schulischer Inklusivität und eine Moderatorvariable zur Erklärung des schulischen Leistungsniveaus (z.B. Fend und Sandmeier 2004; Hascher und Hagenauer 2011). Zur begleitenden Evaluation der schulischen Maßnahmen im Rahmen der Implementation der VN-Behindertenrechtskonvention ist es wünschenswert, das Wohlbefinden in inklusiven Lerngruppen sowohl zuverlässig als auch ökonomisch erfassen zu können. Eine besondere Schwierigkeit auf dem Weg zur Realisierung dieses Zieles liegt darin begründet, dass es für die Sekundarstufe I keine hinreichend geprüften Fragebogeninstrumente aus Erhebungen in inklusiven Lerngruppen gibt. Letzteres wiederum ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass bislang nur sehr wenige Schulen dieser Schulstufe eine hinreichend lange Erfahrung als inklusive Schule aufweisen um als Basis für betreffende Evaluationsstudien in Frage zu kommen. Die Laborschule Bielefeld verfügt als Versuchsschule des Landes NRW über jahrzehntelange Erfahrung in der gemeinsamen Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne einen SFB, die grundsätzlich in allen und nicht nur in ausgewählten Lerngruppen umgesetzt wird (Thurn und Tillmann 2011). Die Laborschule arbeitet nach einem inklusiven Ansatz, wie er zukünftig verstärkt auch in Regelschulen vorzufinden sein wird und bietet insofern einen idealen Untersuchungsrahmen für die Entwicklung und Erprobung eines Instruments zur Erfassung des schulischen Wohlbefindens in inklusiven Lerngruppen der Sekundarstufe I. *Fragestellungen* Erstens: Lässt sich ein Fragebogeninstrument konstruieren, welches verschiedene Facetten schulischen Wohlbefindens in mehreren Jahrgängen der Sekundarstufe I und in allen relevanten Subgruppen der Schülerschaft zuverlässig misst? Zweitens: Wie ist das schulische Wohlbefinden jeweils ausgeprägt – in Gruppen, zwischen Gruppen und jeweils längsschnittlich – und welche Zusammenhänge mit Bedingungsfaktoren lassen sich herausarbeiten? Von besonderem Interesse sind jeweils – vor dem Hintergrund eines erweiterten Inklusionsbegriffs – die Befunde entlang inklusionsrelevanter Diversitätskriterien wie SFB, Geschlecht und Migrationshintergrund. *Methode* Dreimalig durchgeführt wurde eine standardisierte Fragebogenerhebung in den Jahrgangsstufen 6 bis 9 (im Jahr 2012) bzw. 6 bis 10 (2013 und 2014) an der Laborschule Bielefeld. Die Ausschöpfungsquote betrug jeweils mindestens 86% bei N = 212, 292 bzw. 300 und einem Anteil der Schülerinnen und Schülern mit SFB bei ca. 10%. Die Datenauswertung erfolgte anhand von deskriptiver Statistik, Inferenzstatistik sowie mittels Strukturgleichungsmodellierungen. *Ergebnisse* Der Fragebogen misst alle sechs Facetten des schulischen Wohlbefindens (Einstellungen und Emotionen gegenüber der Schule, Affinität zur Stammgruppe/Klasse, Schulischer Selbstwert, Abwesenheit von Sorgen in der Schule, von sozialen Problemen sowie von körperlichen Beschwerden) auf der Basis von jeweils mindestens vier Items hinreichend zuverlässig (mit Cronbachs Alpha ≥. 779). Konfirmatorische Faktorenanalysen zeigen, dass die beste Modellanpassung ein Modell mit sechs korrelierten Faktoren liefert. Ein Vergleich der Schülerinnen und Schüler mit und ohne SFB ergibt in mehreren Erhebungswellen keine Unterschiede für die Wohlbefindensdimensionen über die Abwesenheit schulischer Sorgen, sozialer Probleme sowie körperlicher Beschwerden. Diese liegen jeweils nur in geringem Umfang vor. Die größten Unterschiede zeigen sich durchgehend für den schulischen Selbstwert, der am stärksten von Bezugsgruppeneffekten beeinflusst wird. Die Gruppenunterschiede für die Hintergrundvariablen Geschlecht und Migrationshintergrund sind in Bezug auf viele Teildimensionen des Wohlbefindens gar nicht vorhanden oder liegen im Bereich einer geringen Effektstärke. Diverse Gruppenvergleiche, z.B. zum Verlauf über die Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I, und Analysen zum Einfluss ausgewählter Bedingungsfaktoren auf das schulische Wohlbefinden, werden im Vortrag vorgestellt und diskutiert. Literatur Fend, H. & Sandmeier, A. (2004). Wohlbefinden in der Schule: „Wellness“ oder Indiz für gelungene Pädagogik? In T. Hascher (Hrsg.), Schule positiv erleben. Ergebnisse und Erkenntnisse zum Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern, 161–183. Bern: Haupt. Hascher, T. & Hagenauer, G. (2011). Schulisches Wohlbefinden im Jugendalter ‒ Verläufe und Einflussfaktoren. In A. Ittel, H. Merkens & L. Stecher (Hrsg.), Jahrbuch Jugend-forschung: 10. Ausgabe 2010, 15–45. Wiesbaden: Springer VS. Seaton, M., Marsh, H. W. & Craven, R. G. (2010). Big-Fish-Little-Pond Effect: generalizability and moderation – two sides of the same coin. American Educational Research Journal 47(2), 390–433. Thurn, S. & Tillmann, K.-J. (Hrsg., 2011). Laborschule – Schule der Zukunft. 2. Aufl. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Publishing Year
Conference
3. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF)
Conference Location
Ruhr-Universität Bochum
Conference Date
2015-03-12 – 2015-03-12
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Kullmann H, Geist S, Lütje-Klose B. Erfassung schulischen Wohlbefindens in inklusiven Schulen ‒ Befunde zur Erprobung eines mehrdimensionalen Konstrukts in fünf Jahrgängen der Sekundarstufe I an der Laborschule Bielefeld. In: ; 2015.
Kullmann, H., Geist, S., & Lütje-Klose, B. (2015). Erfassung schulischen Wohlbefindens in inklusiven Schulen ‒ Befunde zur Erprobung eines mehrdimensionalen Konstrukts in fünf Jahrgängen der Sekundarstufe I an der Laborschule Bielefeld. 3. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Ruhr-Universität Bochum.
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Kullmann, Harry, Sabine Geist, and Birgit Lütje-Klose. “Erfassung Schulischen Wohlbefindens in Inklusiven Schulen ‒ Befunde Zur Erprobung Eines Mehrdimensionalen Konstrukts in Fünf Jahrgängen Der Sekundarstufe I an Der Laborschule Bielefeld,” 2015.
H. Kullmann, S. Geist, and B. Lütje-Klose, “Erfassung schulischen Wohlbefindens in inklusiven Schulen ‒ Befunde zur Erprobung eines mehrdimensionalen Konstrukts in fünf Jahrgängen der Sekundarstufe I an der Laborschule Bielefeld,” presented at the 3. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Ruhr-Universität Bochum, 2015.
Kullmann, Harry, et al. Erfassung Schulischen Wohlbefindens in Inklusiven Schulen ‒ Befunde Zur Erprobung Eines Mehrdimensionalen Konstrukts in Fünf Jahrgängen Der Sekundarstufe I an Der Laborschule Bielefeld. 2015.

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